Mittwoch, 30. Januar 2008

es war interessant...

...russel crowe gleich noch einmal zu sehen, allerdings als rechtschaffenen cop (richie roberts), davon besessen das drogengeschäft in new york anfang der 70er aufzumischen, die großen bosse zu erwischen: und so einer ist frank lucas (denzel washington), die hautpfigur in ridley scotts american gangster.

geschildert wird der aufstieg eben jenes frank lucas in der new yorker drogenszene - und er ist alles andere als ein herkömmlicher gangster. im gegenteil, er ist ein geschäftsmann. er maximiert den gewinn, indem er die zwischenhändler ausschaltet, ein konkurrenzlos hochwertiges produkt kreiert und es mit einer unverkennbaren marke versieht: blue magic. sein direkt aus vietnam bezogenes heroin befördert einen pardigmenwechsel in der drogenszene, die nicht länger von der itlaienischen mafia kontrolliert wird, sondern von ihm, frank lucas, einem von washington sehr zurückhaltend angelegten mobster im businessanzug. keine goldketten, kein pimp-geprotze. doch trotz aller vorsicht lässt er sich zu einem society-auftritt im pelzmantel hinreißen (selbstverständlich initialisiert durch seine frau...) und schon sitzt ihm richie roberts, der nicht-korrumpierbare bulle im nacken.

wie schon in 3:10 to Yuma arbeitet sich crowe an der schnittstelle zwischen gut und böse ab - diesmal jedoch als der gute. das duell zwischen den beiden kontrahenten birgt interessante parallelitäten - der böse muss den guten versuchen, der böse muss die moral des guten hinterfragen, sogar aufzeigen, dass die vermeintlich guten vielleicht noch böser sind als die bösen - so werden während des prozesses gegen frank lucas auf grund seiner aussagen drei viertel der beamten des new yorker drogendezernats verhaftet, da sie in den drogenhandel involviert sind.

in der schlussszene wird frank lucas nach 15 jahren aus der haft entlassen, rza's gangster rap begleitet ihn auf die straße und er ist so verlassen, wie ein mensch nur verlassen sein kann.

Dienstag, 29. Januar 2008

isaac lebt!

das institute of physics hat anton zeillinger mit der isaac newton medaille ausgezeichnet - und zwar: For his pioneering conceptual and experimental contributions to the foundations of quantum physics, which have become the cornerstone for the rapidly-evolving field of quantum information.
wir sind ganz hingerissen und ob der plötzlich waltenden gerechtigkeit auf der welt - nachdem der wendelin schmidt-dengler zum wissenschafter des jahres gekürt wurde, bekommt mit anton zeillinger die zweite ausnahmeerscheinung auf österreichs universitäten, die längst schon anstehende auszeichnung.
schön das! leider ist es schon eine zeit lang her, dass ich ihn das letzte mal in der straßenbahn traf - da haben wir dann über den mythos geplaudert, als antikes welterklärungsmodell - und ob der quantenphysik nicht eine ähnliche rolle zukommt, quasi die mythologie der postmoderne... himmel, es gibt schon sehr beeindruckende menschen...

3:10 to Yuma

es ist ein sehr konventionelles setting, das james mangold in 3:10 to Yuma bereitet - der gute, der böse. der eine überfällt eine postkutsche, der andere versucht seine familie als farmer durchzubringen. der eine verführt die barfrau, der andere wird vom großgrundbesitzer erpresst. der eine nimmt in kauf, dass er auf grund seiner ausgelebten begierden gefasst wird, der andere gönnt sich gar nichts.
diese beiden recht holzschnittartigen charaktere werden auf die reise nach contention geschickt, wo der böse in den zug nach yuma gesetzt werden soll und der gute eine belohnung einstreifen und sich dafür vom großgrundbesitzer frei kaufen kann. natürlich reiten sie nicht allein. an den mitreisenden, die sich - wie die kleinen negerlein, einer nach dem anderen verabschieden - werden moralische kernfragen exemplifiziert, was zu einer aufweichung der zu beginn vorgenommenen schwarz-weiß-zeichnung führt - um am schluss die grenze zwischen gut&böse ganz und gar zu verwischen...
alles gut in szene gesetzt, mit beachtlicher besetzung - christian bale & russel crowe in den hauptrollen. der wermutstropfen: in den entscheidenden szenen wird auf beschleunigung gesetzt, schnelle, am modernen action-kino ausgerichtete schnitte - was zu lasten der epik geht. die insgesamt dann zu kurz kommt.
es ist ein film der enge. keine weite. der weg führt durch schluchten und tunnels, die flucht durch verwinkelte gassen, die sicht ist immer eine beschränkte: verstellt. die weite ist schon geschichte. die eisenbahn, weist den helden der geschichte einen platz in der vergangenheit zu: sie sind ebenfalls geschichte. der eine tot. der andere verzichtet freiwillig auf die freiheit.

Montag, 28. Januar 2008

irving

puuhhh - fürchterlich. so viel papier (1140 S.) für nichts und wieder nichts. irgendwie kommt mir das so vor, wie wenn der herr irving ein zielpublikum vor augen hat, das er mit einem haufen hipper themen zu versorgen sucht und dieses unternehmen wächst sich dann aus in ein komplett kurioses furioso an story. und das ganze wird dann noch vermixt mit seinen obsessionen - wie etwa ringen und harten müttern und hilflosen söhnen... schmarren. wirklich.

Mittwoch, 23. Januar 2008

ballblock!

bin eben über einen block gerollt, auf den unbedingt verwiesen werden muss - tom schaffer berichtet über fußball....

Samstag, 19. Januar 2008

weil...

cross country im pulse wiederauferstehen darf,
draußen die sonne einen vom bevorstehenden frühling fantasieren lässt -
und noch im jänner bzw. februar von diesen herrschaften wunderbare platten verlegt werden:
nels andrews wird nach seinem fulminanten debut 2005 wieder mit gutem songwriting zwischen americana und folk glänzen, twilight hotel legt ebenfalls das zweite album nach, zu erwarten wiederum grooviger alt-country und malcolm holcombe... groß, schreib ich da nur... vielleicht sollte man wirklich nach irland pilgern, um ihn dort am 4. bzw. 5. mai spielen zu hören...

Nels Andrews: Jesse's Mom (Yousendit Link)
Twilight Hotel: Viva La Vinyl (Yousendit Link)
Malcolm Holcombe: Evelyn (Yousendit Link)

Montag, 14. Januar 2008

ein versprechen

wenn david cronenberg das thema gewalt mit hilfe der russischen mafia in london verhandelt, dann ist das ein versprechen. ob das grund genug ist, um aus eastern promises tödliche versprechen zu machen, lasse ich dahin gestellt und schubladisiere in verleihpolitik. war es in a history of violence ein biederer familienvater, der von seiner vergangenheit eingeholt und daran exemplifiziert wurde, dass unter der scheinbar so bekannten, zivilisierten realität das tier steckt, eine bestie, die nur darauf wartet aus dem käfig gelassen zu werden, so ist viggo mortensen, der sowohl in der history als auch in promises die hauptrolle gibt, noch im geschäft - oder vielmehr: im begriff groß einzusteigen.

wie schon in der history gelingt es cronenberg perfekt, mit diesen rissen in der realität zu operieren. schon die anfangsszene - ein netter alter mann schneidet einem gut gekleideten mann mit russischem akzent die haare und veranlasst dann seinen dümmlichen sohn seinem kunden die kehle durchzuschneiden - markiert diesen riss mittels des schnittes durch die kehle. die kamera bleibt drauf, statisch, nur das blut quillt. schnitt. wir befinden uns in einer apotheke, ein netter indischer apotheker bedient eine kundin, während ein mädchen eintritt, barfuß, nur einen trenchcoat über dem nachthemd, eine handtasche in den verkrampften fingern. sie verlangt hilfe, der apotheker denkt an methadon und verlangt ein rezept. plötzlich bricht ein schwall blut aus ihrem unterleib und sie fällt um. womit die beiden wesentlichen handlungsstränge vorgegeben sind - schnörkellos folgt der film der story, die kamera bildet ab, sparsam und mitleidslos. durchbrochen wird diese ökonomie nur einmal, wenn nikolai - engel und teufel in einem - in der sauna gegen zwei mafiosis kämpft, er nackt, sie bewaffnet mit krummen messern. es wird getreten, geschlagen, geschnitten - knochen knacken, klaffende schnittwunden, die in den körper eingeschriebene geschichte (tätowierungen zeigen den status und markieren die geschichte der gangster) wird mit blut übermalt...

Donnerstag, 10. Januar 2008

die schlimmste reise der welt...

...unternahm apsley cherry-garrard mit bill wilson und birdie bowers, die sogenannte winterreise. ein vorspiel zur tragischen südpolexpedition von robert f. scott.

drei männer brechen mitten im arktischen winter - also bei -50 grad celsius und weniger sowie permanenter dunkelheit - zu einer mehr als einen monat dauernden reise auf, um herauszufinden, ob sich am pinguin eine verwandtschaft zu den reptilien nachweisen lässt und also der beweis erbracht werden kann, dass die vögel von eben jenem schuppigen getier abstammen. was sich am embryo eines pinguins aufzeigen ließe, weshalb die reise im grunde das ei des pinguins zum ziel hatte - nur haben diese viecher leider die angewohnheit ihre küken mitten im arktischen winter auszubrüten... tja, seis drum, dachten sich die drei wackeren männer und machten sich auf die reise. mitten im winter. um einem armen frierenden pinguin in dunkelster arktischer nacht sein ei zu klauen.

das macht sprachlos. wie dann auch die geschichte um das tragische ende der südpolexpedition - was waren das bloß für menschen?
unvorstellbar der augenblick, wo der an schwersten erfrierungen laborierende titus oates während des schneesturms das zelt verlässt mit den worten:
„I am just going outside and may be some time.“

um seinen begleitern nicht weiter eine last zu sein und sich im sturm für immer zu verlieren (seine leiche wurde nicht gefunden)... was waren das bloß für menschen?

Mittwoch, 9. Januar 2008

das freut mich außerordentlich...

der liebe herr prof. schmidt-dengler wurde heute vom klub der bildungs- und wissenschaftsjournalisten zum "wissenschafter des jahres" gekürt! zeichen und wunder...
unvergesslich die vorlesungen im alten audi max, gerammelt voll, und der herr professor erörtert ovids metamorphosen an hand der österreichischen innenpolitik...
und dann, einige jahre später, ich steh beim spar und überleg, welches fleisch ich am besten für das zu kochende gulasch ersteh, vor mir ein typ im 80er-jahre schlabber-jogging-anzug, hör ich plötzlich wie der mann über das lyrische im schweinsbraten sinniert und vor ihm die gesamte fleischthekenbesatzung, wie die lämmer, unfähig einen finger zu rühren... wendelin, was für ein moment!

Montag, 7. Januar 2008

38 oder 42?

der herr becker machte im karrierenstandard des wochenends die bemerkenswerte aussage, dass es hinsichtlich der aktuellen diskussion um managergagen der ATX-unternehmen ja unsinnig sei betreffend zahlen zu diskutieren. gegenstand der unsinnigkeit war der multiplikator, also die frage, ob die managerInnen 35mal oder 41mal mehr verdienen dürfen als die durchschnittlichen arbeitnehmerInnen. denn: der markt würde ja schließlich bestimmen, wie hoch das gehalt dieser menschen sein soll. angebot und nachfrage und all das... wozu es allerdings einen entsprechenden markt geben müsste, was angesichts einer lobby (empört euch!), die sich gegenseitig in vorstände und aufsichträte schiebt, ziemlich zweifelhaft erscheint - und womit wir der systemimmanenten problematik wohl schon recht nah gekommen sind. weshalb schurlis vorschlag bei der nächsten hauptversammlung ganz unbedingt diskutiert werden sollte!

Mittwoch, 2. Januar 2008

der horror?

nahezu einhellig sprechen die rezensentInnen von einer meisterleistung - sogar vom "ersten großen roman des einundzwanzigsten jahrhunderts" ist die schreibe. die eigene lektüreerfahrung ist eher eine zwiespältige. unbestritten hat der roman seine stärken, auch witz, entwickelt spannung. insbesondere interessant ist der umgang mit dem medium buch, also der versuch, das medium selbst für die story zu vereinnahmen.

allerdings hat die rahmenhandlung - also diejenige, der wir das buch im grunde zu verdanken haben - schon so ihre macken, scheint mitunter ein bissl aufgesetzt: gruslig. naheliegend freudianisch. platt postmodern. so tragen wir also alle das haus in uns rum - und jeder ist im grunde navidson und/oder seine frau. je nachdem ob wir uns den plötzlich sich auftuenden gängen ins nichts stellen wollen...

ps: übrigens - ganz amüsant ist das video, wo mark z. danielewski für einen song seiner schwester - die unter dem namen poe (sowas aber auch!) eine musikerinnenkarriere betreibt - einen kurzen abschnitt aus "das haus" rezitiert...

weil mich jemand fragte...

was denn meiner meinung nach die beste platte des vergangenen jahres sei -
und ich so frei von der leber weg, ohne groß nachzudenken, sagte -
the national, boxer - da reichte einfach nix mehr ran...
und ich feststellen konnte, dass ich mich mit meiner meinung durchaus in guter gesellschaft befinde...

...und ich - weil eben zuvor nicht wirklich - dann doch kurz nachdachte, will ich euch die ergebnisse meines nachdenkens nicht ersparen. das zweitbeste album aus selbigem genre stammt meines erachtens von arcade fire und heißt neon bible - auch hier bewege ich mich quasi im common sense.

im countryesken genre konnte insbesondere - ebenso nicht überraschend - levon helm mit dirt farmer überzeugen. als hoch erfreulich entpuppte sich das projekt des ambitionierten grazers georg altziebler, son of the velvet rat. übrigens, der ist am 6. märz 08 im chelsea zu bestaunen!

mein soulherz gehört schon seit längerem der komplett hervorragenden miss sharon jones, die mit den fantastischen dap kings wieder eine platte machte, was ich aber hier ebenfalls schon zum besten gab. mavis staples hat mit we'll never turn back ein ebenfalls wirklich bemerkenswertes album vorgelegt - produziert von ry cooder spielte sie berühmte songs der bürgerrechtsbewegung ein, denn: "wir werden immer noch misshandelt!"