Dienstag, 27. März 2012

Fehlende Solidarität unter Kühen?

Paroli soll geboten werden, die freien JournalistInnen organisieren sich und weisen auf ihre prekäre Arbeitssituation hin - eine podiale Verhandlung kam letzten Dienstag (20/3) abends in der FH Wien zur Aufführung. Dass es sich primär um ein Strukturproblem handelt, wie Sahel Zarinfard (Journalistin bei Paroli) ausführt, wird von niemandem bestritten - in welcher Art und Weise die bestehenden Strukturen verändert werden sollen, daran scheiden sich die Geister. Durchaus bemerkenswert: Der seit Jahren sich in Verhandlung befindliche neue Kollektivvertrag soll Besserung bringen, die Versöhnung zwischen Online- und PrintjournalistInnen mittels gesetzlicher Rahmenbedingungen hergestellt werden. Für die Verlegerseite (VÖZ) sitzt Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser-Holding, am Verhandlungstisch. Ein Mann der rurale Bilder bemüht, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen: "Wir können die Kuh nur melken, wenn sie Milch gibt." Was impliziert: Geld gibt's erst, wenn es ein entsprechend tragfähiges Geschäftsmodell für Online gibt - und selbiges sei nur mittels der Partizipation an den Werbegeldern für Google&Co realisierbar. Petz in den Fußstapfen des nördlichen großen Bruders - Stichwort Leistunsgsschutzrecht. Demgegenüber Franz C. Bauer von der JournalistInnengewerkschaft, dem insbesondere daran gelegen ist, nicht alt gegen jung auszuspielen: "Achtung Falle!" (Ein schöner Zufall übrigens, dass er mit seinem Beton-Beamtenkollegen Neugebauer den Bauer gemein hat...) Die Branche würde insgesamt gut dastehen und es gäbe keinen Grund für Entsolidarisierung. Solange die im alten KV Angestellten nicht bereit sind, Zugeständnisse zu machen, sieht Gerlinde Hinterleitner, GF von derStandard.at, keine Möglichkeit das Dilemma zu lösen.



Sehr treffend der Kommentar aus dem Publikum von einer jungen Journalistin: Es käme ihr so vor, als wären die JournalistInnen in Österreich in einem Klub organisiert. "Entweder man ist drinnen oder man ist draußen." Dem ist nichts hinzu zu fügen: Im Grunde wendet sich Paroli an JournalistInnen, die im alten KV angestellt sind. Diese sind aufgefordert zusammen mit den jungen/neuen ein Modell zu erarbeiten, das auf Kosten der alten Privilegien den Jungen/Neuen ebenfalls ein Überleben sichert. Allerdings ist - wie in allen gegenwärtigen Verteilungskämpfen - nicht damit zu rechnen, dass die alten Eliten zu Gunsten der entstehenden, jungen, neuen - auf etwas verzichten. Richtigerweise verweist Sahel Zarinfard darauf, dass hier in der Aufgabenverteilung irgend etwas nicht stimmen kann - schließlich wird schon über drei Jahre verhandelt und es verändert sich nichts. Möglicherweise sind die falschen Personen damit befasst? Franz C. Bauer sieht hier andere Faktoren verantwortlich - zu viele BewerberInnen würden den Markt verwässern und keine leistungsgerechte Bezahlung durchsetzbar machen.

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