Donnerstag, 12. Juli 2012

Work Hard - Play Hard: Die Ausrichtung der Köpfe

(c) polyfilm

Im Zeitalter der Wissensökonomie verschieben sich die Anforderungen an die Konzerngeschäftsführungen dramatisch: Die Produktionsmittel befinden sich zum Großteil in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - demnach müssen die Köpfe und insbesondere ihr Inhalt in passender Art und Weise ausgerichtet werden, um die kalkulierte Ernte einzufahren. Work Hard - Play Hard dokumentiert die Anstrengungen in den Unternehmensleitungen, die Humanressourcen möglichst umfassend zu nutzen. Konsequenterweise beginnt Carmen Losmanns ganz und gar großartiger Dokumentarfilm mit den architektonischen und räumlichen Voraussetzungen: Offene Räume, non-territoriale Arbeitsplätze ohne jede private Note, Meeting-Points und Coffee-Spots - zufällige und ungeplante Kommmunikation muss genützt werden können, um ein Maximum an Kreativität zu gewährleisten. Zu den zu berücksichtigenden Rahmenbedingungen sind auch die anzupassenden Prozesse zu zählen: Change muss in die DNA der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeschrieben werden. Wenn notwendig mittels täglichem Check des gemeinsamen Zielverständnisses und der Kontrolle der Resultate des Vortages. Frohes Schaffen, so der - nicht einmal zynisch gemeinte - Abschiedsgruß eines Abteilungsleiters bei DHL. Grundlage dafür ist ein umfassendes Gemeinsamkeits- und Teamgefühl - schon sind Mitglieder eines Teams im Wald zu erleben, wo sie sich gegenseitig abseilen und einen Hindernisparcours in absoluter Dunkelheit absolvieren: "Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, mich einfach in die Arme meiner Kollegen fallen zu lassen..." - beinahe wie Sektenmitglieder sagen sie ihre Sprüche auf, die mittels emotionaler Verknüpfung (Angst!) entsprechend nachhaltig in Erinnerung bleiben sollen. In einem Assessment-Center werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Stärken und Schwächen durchleuchtet, um den Unternehmen hinsichtlich Personalentwicklung Material zu liefern, eine Software wird präsentiert, die mittels Talentprofilen und entsprechenden Clusterungen dem Management mitteilt, welche Mitarbeiterpotenziale noch brach liegen. Alles dokumentiert in ruhigen, unaufgeregten Kamerabildern, Losmann enthält sich jedes Kommentars. Das ist gut so, die Bilder sprechen für sich selbst - sind beunruhigender als so manche literarische Dystopie aus dem 20. Jh.  


Und da sich die Gelegenheit bot, im Filmcasino gleich anschließend die fulminante Isabelle Huppert in Copacabana zu bestaunen - taten wir das. Und durften damit eine gelungene (sehr) französische Replik auf die gestreamlinte und effizienzgetriebene Arbeitswelt sehen. Huppert mimt die ewig junge und unangepasste Mutter von Esmeralda, die einen konventionellen Lebensweg einschlagen will... 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen